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Elektrische und magnetische Felder: die Grundlagen, die zählen
Von Livia Brandenberger · Redaktorin Baubiologie & Niederfrequenz · Stand: 17. August 2026
Überall, wo Strom fliesst oder Funken funkeln, entstehen Felder. Sie sind unsichtbar, messbar und überall dort, wo moderne Technik arbeitet: in der Steckdose, im WLAN, im Tram und auf dem Senderiegel über den Dächern. Wer über Elektrosmog sprechen will, kommt um drei Begriffe nicht herum: das elektrische Feld, das magnetische Feld und die elektromagnetische Welle. Dieser Beitrag ordnet sie ein — kompakt, aber so genau, dass Fachgespräche nicht mehr scheitern.
Das elektrische Feld: da, wo Spannung ist
Jedes geladene Teilchen — und jede Spannung führenden Leitung — ist von einem elektrischen Feld umgeben. Es entsteht schon, wenn ein Gerät eingeschaltet ist, ohne dass Strom fliessen muss: Der Lichtschalter auf «aus» bedeutet nicht, dass im Kabel keine Spannung ansteht. Gemessen wird die elektrische Feldstärke in Volt pro Meter (V/m). In Wohnräumen liegen die Werte niederfrequenter elektrischer Felder meist im Bereich weniger Volt pro Meter bis zu einigen Dutzend — direkt neben nicht abgeschirmten Leitungen oder simplen Netzteilen können es Hunderte sein.
Das Praktische am elektrischen Feld: Es lässt sich gut abschirmen. Metallische Hüllen, abgeschirmte Kabel und geerdete Wandoberflächen senken es deutlich. Das ist der Grund, warum fachgerecht verlegte Installationen kaum elektrische Felder nach aussen abgeben.
Das magnetische Feld: da, wo Strom fliesst
Fliessender Strom erzeugt ein magnetisches Feld. Es ist nicht an die Spannung gebunden, sondern an den Strom: Je mehr Ampere, desto stärker das Feld. Gemessen wird die magnetische Flussdichte in Mikrotesla (µT) — manchmal auch die magnetische Feldstärke in Ampere pro Meter (A/m). Typische Alltagswerte: 0,1 bis 0,3 µT als verbreiteter Hintergrund in Wohnräumen, direkt unter Hochspannungsleitungen oder neben Zählerschränken können es etliche Mikrotesla sein.
Magnetische niederfrequente Felder sind schwieriger zu bannen als elektrische: Normale Baumaterialien schirmen sie kaum ab. Die wirksamste Strategie heisst Abstand — das Feld nimmt mit der Entfernung rasch ab. Und: Koaxialleitungen oder verdrillte Adern (wie bei verkabelten Netzwerkkabeln) heben die Felder gegeneinander auf, weil sich die Ströme kompensieren.
Die elektromagnetische Welle: wenn beides zusammenwirkt
Ab genügend hohen Frequenzen — praktisch relevant ab einigen zehn Kilohertz — lösen sich elektrisches und magnetisches Feld vom Leiter und wandern als gemeinsame Welle durch den Raum: das hochfrequente Feld. Für solche Wellen wird die Leistungsflussdichte in Watt pro Quadratmeter (W/m²) angegeben, häufig aber auch die elektrische Feldstärke in V/m, weil Messgeräte genau diese Grösse erfassen. Die beiden Angaben sind ineinander umrechenbar.
Wichtig fürs Verständnis: Hochfrequente Felder breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus, werden von Antennen gezielt abgestrahlt und von Baumaterialien je nach Frequenz und Aufbau mehr oder weniger gedämpft. Das Spektrum dieser Wellen reicht vom Langwellenrundfunk bis zum Mobilfunk — eine Übersicht bietet unser Beitrag zum Alltagspektrum der Frequenzen.
Wie Felder auf den Körper wirken können
Felder und Körper sind keine getrennten Welten. Niederfrequente Felder induzieren im Körperinneren Ströme und Felder, die die natürlichen Nerven- und Muskelsignale überlagern können, wenn sie stark genug sind. Hochfrequente Felder erwärmen Gewebe — auf diesem anerkannten thermischen Effekt beruhen die internationalen Schutzgrenzwerte, etwa die SAR-Werte (Spezifische Absorptionsrate) von Handys. Über mögliche nichtthermische Effekte unterhalb der Grenzwerte wird weltweit geforscht; die Bewertungen fallen unterschiedlich aus, weshalb die Schweiz zusätzlich Vorsorgemassnahmen kennt (siehe Grenzwerte).
Spannung → elektrisches Feld (V/m). Strom → magnetisches Feld (µT). Beide zusammen und hochfrequent → elektromagnetische Welle (W/m²). Elektrische Felder lassen sich abschirmen, magnetische kaum — dafür nimmt ihre Stärke mit dem Abstand rasch ab. Abstand ist damit fast immer die erste und günstigste Massnahme.
Was «messen» bedeutet
Feldstärken sind messbar — aber Messen ist Handwerk. Breitbandgeräte liefern Summenwerte über alle Frequenzen, Spektrumanalysatoren zerlegen das Feld in einzelne Frequenzanteile. Für den Vergleich mit Grenzwerten sind Frequenzbereich, Messunsicherheit und Ort entscheidend: Ein Messpunkt am Schlafplatz sagt mehr als ein Mittelwert übers ganze Haus. Wer Messungen professional beurteilt haben will, wendet sich an zertifizierte Fachstellen — das Quellenverzeichnis nennt die einschlägigen Behörden. Und wer die Fachsprache der Messprotokolle entschlüsseln will, wirft einen Blick in unser Glossar.
Die Messverfahren sind normativ geregelt: Für den Vergleich mit den NISV-Grenzwerten gelten die Verfahren nach der Wegleitung des Bundesamts für Umwelt (BAFU), die Messtechnik und Geräteanforderungen beschreiben die Normenreihe EN 61000 sowie für Feldstärkemessungen an Arbeitsplätzen EN 50492. Details und Literaturhinweise: Quellen & Fachstellen.