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kubli-emv.ch Unabhängiges Online-Magazin · Ausgabe 2026/08

Elektrosmog, elektromagnetische Verträglichkeit und die elektromagnetische Umwelt — sauber recherchiert, verständlich erklärt.

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Themenfeld · Spektrum

Das elektromagnetische Spektrum: von Gleichfeld bis Gammastrahlung

Von Martin Sutter · Fachredaktor Elektrotechnik & EMV · Stand: 17. August 2026

Alle elektromagnetischen Erscheinungen — vom Magneten am Kühlschrank bis zur Gammastrahlung aus dem All — sind Ausdrücke desselben Physikprinzips: sich ändernde elektrische und magnetische Felder, die einander erzeugen und forttreiben. Geordnet nach Frequenz, ergibt sich das elektromagnetische Spektrum. Es ist die Landkarte, auf der sich jede Diskussion über Elektrosmog, EMV und Strahlenschutz orientiert.

Die Bänder im Überblick

Die rote Markierung «Licht» markiert die Visitenkarte des Spektrums: alles darunter — von 0 Hz bis etwa 3 Petahertz am UV-Übergang — gilt als nichtionisierende Strahlung (NIS). Sie reicht nicht aus, um Atome oder Moleküle dauerhaft zu ionisieren. Oberhalb beginnt die ionisierende Strahlung: UV-C, Röntgen, Gamma. Die ganze Debatte um Elektrosmog und EMV spielt sich im linken, nichtionisierenden Teil ab.

Statische Felder: 0 Hz

Ohne Frequenzänderung kein Wellenabstrahlen: Statische Felder haften an ihren Quellen. Das natürliche Erdmagnetfeld (rund 50 Mikrotesla in unseren Breiten) gehört ebenso dazu wie Permanentmagnete in Lautsprechern und Gleichstromanlagen. Für den Menschen sind statische Magnetfelder unterhalb starker technischer Anlagen (wie MRT-Scanner) gut untersucht; im Alltag spielen sie für die Elektrosmog-Debatte eine Nebenrolle.

Nieder- und Hochfrequenz: der Wohnbereich des Themas

Bis 30 kHz zählt die Fachwelt zum Niederfrequenzbereich (ELF und VLF): Bahnstrom, Stromnetz, Schaltnetzteile — Felder, die an Leitungen und Spulen gebunden sind. Von 30 kHz bis 300 GHz folgt der Hochfrequenzbereich: Funk, Mobilfunk, WLAN, Radar. Nur hier spricht die Technik von «abgestrahlten Wellen». Unsere Beiträge zu den Alltagsfrequenzen und den Feldgrundlagen vertiefen diese beiden Abschnitte.

Infrarot, Licht, UV: die warme Grenze

Oberhalb von 300 GHz wird die Wellenlängenskala so kurz, dass man sie nicht mehr in Hertz, sondern in Nanometern misst. Infrarot ist Wärmestrahlung — jede warme Wand sendet sie. Sichtbares Licht ist ein schmales Band um 400 bis 790 Nanometer, gerade einmal eine Oktave des riesigen Spektrums. UV beginnt, chemisch zu wirken (Sonnenbrand, Vitamin-D-Synthese), und geht am oberen Ende in den ionisierenden Bereich über. Wer «Strahlung» hört und an Radioaktivität denkt, verwechselt die Enden der Landkarte: Funkwellen und Gammastrahlung sind Nachbarn im Modell, aber physikalisch verschiedene Welten.

Warum die Ordnung hilft

Die Bänderteilung ist keine Akademiker-Spielerei. Sie bestimmt die Messgeräte (ein NF-Gerät misst keine 5G-Signale), die Grenzwerte (NISV, ICNIRP und Normen staffeln alles nach Frequenz), die Wirkmechanismen (Körperströme bei 50 Hz, Erwärmung im GHz-Bereich) und die Abschirmtechnik (Mu-Metall gegen Magnetfelder, leitfähige Folien gegen elektrische und hochfrequente Felder). Ein Blick auf die Landkarte sagt sofort, welches Werkzeug passt — das Glossar unter Begriffe A–Z liefert die Vokabeln dazu.

Übrigens: Auch die Wellenlänge selbst ist eine praktische Grösse. Antennen sind meist Viertel- oder Halbe-Wellenlängen lang — deshalb sind 700-MHz-Antennen sichtbar grösser als 3,5-GHz-Elemente, und deshalb dringen lange Wellen besser in Gebäude ein als kurze. Wer das Spektrum kennt, kann Sender, Antennen und Messgeräte buchstäblich an ihrer Grösse lesen.

Merksatz

Elektrosmog und EMV leben im nichtionisierenden Bereich: 0 Hz bis 300 GHz. Infrarot, Licht und UV gehören ebenfalls dazu — erst oberhalb des UV-Übergangs ionisiert Strahlung Materie. Frequenz bestimmt Messgerät, Grenzwert, Wirkung und Abschirmung. Erst die Einordnung ins Spektrum macht aus Zahlen Aussagen.

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